Backhörnchen

Backhörnchen – sie sehen lecker aus. Goldbraun, knusprig und frisch aus dem Ofen. Zumindest auf den ersten Blick wirkt der Fund wie ein Stapel leckerer Hörnchen. Tatsächlich handelt es sich um einen der auffälligsten heimischen Baumpilze: den Schwefelporling (Laetiporus sulphureus).

Appetitlicher Hingucker an alten Bäumen

Seine leuchtend gelben bis orangefarbenen Fruchtkörper wachsen in dichten, übereinanderliegenden Polstern direkt am Stamm oder an starken Ästen. Gerade junge Exemplare wirken durch ihre glatten Oberflächen und runden Formen erstaunlich appetitlich und wie Backhörnchen – ein perfektes Beispiel dafür, wie leicht unser Gehirn Bekanntes in der Natur wiederzuerkennen glaubt.

Ein Pilz mit großem Appetit

Der Schwefelporling lebt von Holz. Er dringt über Verletzungen in den Stamm ein und baut das Kernholz ab. Dabei verursacht er eine sogenannte Braunfäule: Zellulose und Hemizellulose werden zersetzt, während das braune Lignin zunächst zurückbleibt. Das Holz verliert dadurch zunehmend an Stabilität und kann schließlich würfelig brechen.

Besonders häufig besiedelt der Pilz Eichen, Weiden, Kirschbäume oder Robinien. Seine Fruchtkörper erscheinen meist zwischen dem späten Frühjahr und dem Herbst und können innerhalb weniger Wochen beeindruckende Ausmaße erreichen. Einzelne Exemplare bringen mehrere Kilogramm auf die Waage.

„Chicken of the Woods“ statt Backhörnchen

Junge Schwefelporlinge gelten in vielen Ländern als Speisepilze. Im englischsprachigen Raum tragen sie den Namen „Chicken of the Woods“, weil ihre faserige Konsistenz nach dem Garen viele Menschen an Hähnchenfleisch erinnert. Allerdings verträgt nicht jeder den Pilz. Zudem können Fruchtkörper von bestimmten Wirtsbäumen – etwa Robinien oder Eiben – problematische Inhaltsstoffe aufnehmen. Deshalb sollte der Pilz nur von fachkundigen Personen gesammelt und sicher bestimmt werden.

Schwefelporling hat nur kurzen Auftritt

So auffällig der Schwefelporling in jungen Jahren ist, so schnell verändert sich sein Aussehen. Das kräftige Schwefelgelb verblasst mit zunehmendem Alter, die Oberfläche wird blasser, trockener und schließlich bräunlich. Aus dem leuchtenden Blickfang wird ein unscheinbarer Pilz, der leicht übersehen wird.

Verwechselwelten

Ein Hörnchen aus der Bäckerei? Oder ein Pilz, der Bäume zersetzt? Die Natur zeigt einmal mehr, wie leicht sich unser Blick täuschen lässt. Wer genauer hinsieht, entdeckt hinter der vermeintlichen Backware einen faszinierenden Organismus mit einer wichtigen Rolle im Ökosystem Wald.