
Snack am Buffet? Auf den ersten Blick wirken sie wie kleine Getreidekörner oder ein knuspriger Snack. Tatsächlich handelt es sich um etwas völlig anderes: die Sporen des Tüpfelfarns (Polypodium vulgare). Die winzigen Vermehrungseinheiten gehören zu den ältesten Fortpflanzungsstrategien der Pflanzenwelt und haben sich seit Hunderten Millionen Jahren bewährt.
Tausende künftige Farne auf einem Blatt

Auf der Unterseite der Farnblätter sitzen zahlreiche runde Sporenhäufchen, sogenannte Sori. In ihnen befinden sich die Sporangien, in denen die Sporen heranreifen. Ein einziges Farnblatt kann Tausende dieser winzigen Vermehrungseinheiten hervorbringen. Sind die Sporen ausgereift, werden sie meist vom Wind verbreitet. Aufgrund ihrer geringen Größe können Luftströmungen sie über viele Kilometer transportieren.
Ein ungewöhnlicher Lebenszyklus
Landet eine Spore an einem feuchten, schattigen Ort, beginnt ein faszinierender Entwicklungsprozess. Anders als Blütenpflanzen bildet der Farn aus der Spore zunächst keinen neuen Farn, sondern einen winzigen, herzförmigen Vorkeim. Botaniker nennen ihn Prothallium. Dieses zarte Gebilde ist meist nur wenige Millimeter groß und trägt sowohl männliche als auch weibliche Fortpflanzungsorgane.
Wasser ist der Snack für die Befruchtung
Für die Befruchtung braucht der Farn Wasser. Nur wenn ein feiner Wasserfilm vorhanden ist – etwa nach Regen oder Tau –, können die beweglichen Spermien zur Eizelle schwimmen. Erst danach entwickelt sich aus dem Vorkeim der junge Farn, der nach und nach seine typischen gefiederten Wedel ausbildet.
Eine Erfolgsgeschichte der Evolution
Farne besiedelten die Erde bereits lange bevor die ersten Blütenpflanzen mit Samen und Früchten entstanden. Ihre Vermehrung über Sporen hat sich über Hunderte Millionen Jahre bewährt und macht sie bis heute zu einer der erfolgreichsten Pflanzengruppen.
Farn ist ein hartnäckiger Überlebenskünstler
Wer die kleinen braunen Punkte auf der Blattunterseite entdeckt, sieht also weder eine Krankheit noch einen leckeren Snack. Es sind winzige Überlebenskünstler – bereit, mit etwas Wind, Feuchtigkeit und Geduld den Anfang für einen neuen Farn zu machen. Die Natur zeigt einmal mehr, dass selbst die unscheinbarsten Details eine erstaunliche Geschichte erzählen.


