Öffnet da eine Fledermaus ihre Lauscher? Nein. Es ist ein anderes Wesen der Nacht.

Nacht – das könnte ein Fledermausohr sein. Es ist etwas anderes: ein Stück trockenen Blattes einer Nachtkerze. Am Tag wirkt die Pflanze eher unscheinbar. Doch mit der Dämmerung beginnt ihre große Stunde. Innerhalb weniger Minuten öffnen sich ihre leuchtend gelben Blüten – oft so schnell, dass sich das Schauspiel direkt beobachten lässt. Gleichzeitig verströmen sie einen intensiven Duft, der gezielt nachtaktive Bestäuber anlockt.

Ein Buffet für Nachtfalter

Nacht

Die Nachtkerze (Oenothera biennis) hat sich auf die Dunkelheit spezialisiert. Ihre hellen Blüten reflektieren selbst schwaches Mondlicht und sind dadurch für Nachtfalter gut sichtbar. Zugleich produziert die Pflanze reichlich Nektar. Besonders Schwärmer mit ihren langen Saugrüsseln erreichen diesen problemlos und übernehmen dabei die Bestäubung.

Im Gegensatz zu vielen anderen Blütenpflanzen setzt die Nachtkerze also statt auf Bienen oder Hummeln vor allem auf Insekten, die erst nach Sonnenuntergang aktiv werden.

Fledermäuse jagen in der Nacht oft am selben Ort

Wo viele Nachtfalter fliegen, kommen auch Fledermäuse zur Jagd. Für zahlreiche heimische Arten gehören Motten und andere Nachtfalter zu den wichtigsten Beutetieren. Mit Hilfe der Echoortung senden Fledermäuse Ultraschallrufe aus und erzeugen aus den zurückkehrenden Echos ein erstaunlich präzises Bild ihrer Umgebung. Selbst kleine Insekten können sie dadurch im Dunkeln sicher orten.

Ein Wettrüsten der Evolution

Doch die Nachtfalter sind den Fledermäusen nicht schutzlos ausgeliefert. Viele Arten besitzen Sinnesorgane, sogenannte Tympanalorgane, mit denen sie Ultraschall wahrnehmen können. Registrieren sie die Rufe einer jagenden Fledermaus, reagieren sie innerhalb von Sekundenbruchteilen: Sie ändern abrupt ihre Flugrichtung, lassen sich zu Boden fallen oder starten unvorhersehbare Ausweichmanöver.

Drei Arten der Nacht – eng miteinander verbunden

Die Nachtkerze bietet Nahrung für Nachtfalter. Die Nachtfalter bestäuben die Blüten. Fledermäuse wiederum regulieren die Bestände der Falter und anderer Insekten. Keine dieser Arten lebt für sich allein – jede ist Teil eines komplexen ökologischen Netzwerks.

Gerade in einer Zeit, in der künstliches Licht, Pestizide und der Rückgang blütenreicher Lebensräume vielen Nachtinsekten zusetzen, wird deutlich, wie eng das Schicksal von Pflanzen, Insekten und Fledermäusen miteinander verbunden ist.